Scheibenbremse vorne : Bremsbeläge und Bremsscheiben aus und einbauen
Prüfung auf Verschleiß
Die vorderen Bremsbeläge haben eine elektrische Verschleißanzeige. Sie besteht aus einem in den Belag eingelassenen Draht. Wenn er durchgescheuert wird, veranlaßt ein Steuergerät das Aufleuchten der Handbremskontroll-Leuchte.
Trotzdem empfiehlt sich ein regelmäßiges Nachmessen der Belagdicke.
Zur Prüfung muß das jeweilige Rad abgenommen werden. Danach kann man die Dicke der Bremsbeläge mit einem Zollstock und die Dicke der Scheiben mit einer Schublehre messen. Als Verschleißmaß für die Beläge gelten 3 mm Belagstärke bzw. 8 mm Dicke des Belages einschließlich Träger.
Unbelüftete Bremsscheiben sollen mindestens 9 mm dick sein, hier ist das Verschleißmaß aber auch am Rand der Scheibe eingeschlagen (falls es unter dem Rost noch lesbar ist).
1 - Bremssattel, 2 - Bremsscheibe, 3 - Bremsbelag, 4 - Belagträger. Maus auf das Bild bewegen für Erklärung
Teile, deren Dicke das Verschleißmaß unterschreitet, müssen generell pro Achse (also paarweise) gegen ladenneue ersetzt werden.
Bremsbeläge erneuern
Es gibt pro Seite einen äußeren und einen inneren Belag, also insgesamt vier Stück. Sie sind im Satz für etwa 50€ im Autozubehör erhältlich (Fahrzeugschein mitnehmen). Außerdem wird Kupferpaste benötigt, gleich mitnehmen.
An Werkzeugen benötigt man einen Steckschlüssel SW 13 mm, einen Maulschlüssel SW 17 mm, eine Schraubzwinge und ggf. einen Drehmomentschlüssel.
Zum Tausch die Lenkung bis zum Anschlag in Richtung des jeweiligen Rades drehen, dann hat man mehr Platz zum Arbeiten. Rad abhnehmen und Fahrzeug aufbocken.
Bremsbeläge erneuern.
Mit dem Steckschlüssel die nur untere Schraube am Bremssattel herausdrehen. Dabei mit dem Maulschlüssel die Gegenmutter des Bremssattels kontern. Danach kann der Bremssattel nach oben geklappt werden (ggf. vorsichtige Gewalt anwenden). Stecker der Verschleißanzeige abziehen. Die Bremsbeläge können dann einfach nach vorne herausgezogen werden. Der Radbremszylinder (unter dem inneren Belag) wird mit einer Schraubzwinge bis zum Anschlag zurückgedrückt. Dabei ein Stück Holz zwischenlegen. Achtung: Dabei kann evtl. die Bremsflüssigkeit aus dem Ausgleichsbehälter überlaufen. Falls sich dies andeutet, mit einer sauberen Spritze etwas Flüssigkeit aus dem Behälter absaugen.
Der Zylinder rechts vorne wird zurückgedrückt.
Die neuen Bremsbeläge werden auf ihrer Rückseite mit Kupferpaste eingestrichen, dies verhindert später quietschende Geräusche beim Bremsen. Dann die neuen Beläge in den Bremssattel einlegen, Verschleißanzeige anschließen. Bremssattelgehäuse wieder nach unten klappen und neue Schraube (aus dem Belagsatz) unter Gegenhalten mit dem Maulschlüssel mit 35 Nm festziehen.
Bremsscheiben erneuern
Zuerst die Bremsbeläge demontieren, wie oben beschrieben. Danach muß der Bremssattel vom Federbein getrennt werden. Zu diesem Zweck die beiden Schrauben auf der Rückseite des Bremssattels herausdrehen.
Insgesamt zwei Schrauben herausdrehen (nur eine ist hier sichtbar)
Bremssattel abnehmen. Die Bremsleitung bleibt angeschlossen! Dann kann die alte Scheibe von der Radnabe genommen werden. Sollte sie sich nicht "freiwillig" lösen, kann man mit wohldosierten Hammerschlägen von der Rückseite nachhelfen, allerdings wirklich nur dann, wenn die Scheibe dann auch erneuert wird! Radnabe gründlichst mit einer Drahtbürste sauberschrubben. Die neue Bremsscheibe muß vor ihrem Einsatz entfettet werden (Waschbenzin oder Bremsenreinigerspray).
Dann den Bremssattel wieder festschrauben. Bei den beiden Schrauben handelt es sich um sog. Rippschrauben, d.h. sie haben unter ihrem Kopf ein Rippenprofil. Sie dürfen keinesfalls gegen herkömmliche Schrauben ausgetauscht werden! Die Schrauben werden mit 100 Nm festgezogen.
Beim Tausch der Bremsscheiben immer neue Beläge einbauen. Danach den Bremssattel wie oben beschrieben wieder festschrauben.
Zum Schluß Rad wieder anschrauben. Dann die Bremse einige Male vorsichtig durchtreten, bis die neuen Beläge der Scheibe wieder anliegen. Danach Probefahrt machen: gleichmäßige Bremskraft? Scharfe und Vollbremsungen während der ersten 300 bis 500 km vermeiden. Die neuen Beläge benötigen eine gewisse Einfahrzeit, damit sie sich in ihrer Oberfläche genau der Scheibe anpassen können.